Eine tränenförmige Insel

Sri Lanka Karte

Ein Juwel, verborgen wie ein Tropfen Träne im Herzen des Indischen Ozeans – seine Geschichte ist ebenso eine Träne. Das ist Sri Lanka. Aus der Ferne betrachtet, gleicht es einem grünen Paradies. Seine Berge und Reisfelder leuchteten in üppigem Grün; doch unter dieser Schönheit brannte ein unstillbares Feuer – der tiefe Riss des ethnischen Krieges.

Auf Singhalesisch heißt es Sri Lanka, auf Tamil Ilankai – die Namen sind verschieden, doch das Land ist eines.

Einst wurde es von der Welt als „Kornkammer des Ostens“ und als „Perle des Ozeans“ gepriesen. Seine tiefen Häfen und seine geographische Lage machten Sri Lanka seit den Zeiten der alten Seidenstraße bis zu den heutigen Seehandelsrouten stets zu einem strategischen Schatz.

Die Geschichte Sri Lankas reicht über dreitausend Jahre zurück.

In der Sangam-Literatur wurde dieses Land als „Eelam“ bezeichnet und pflegte enge kulturelle Verbindungen mit Südindien.

Anfangs teilten Singhalesen und Tamilen denselben Glauben, verwurzelt in der saivistischen Tradition; die Glocken der Tempel erklangen im Einklang derselben Melodie.

Doch die Zeit trug die Samen der Veränderung in sich. Im Zentrum dieser Veränderung stand Devanampiya Tissa.

Im Jahr 250 v. Chr. kam Mahinda, der Sohn des indischen Kaisers Ashoka und buddhistischer Mönch, auf den Berg Mihintale, um den Buddhismus zu verkünden.

Jener Tag veränderte das Schicksal der Insel.

Mahindas Worte berührten das Herz des Königs; Tissa nahm den Buddhismus an.

Dem König folgend, nahm auch das singhalesische Volk den neuen Glauben an – und in diesem Augenblick wandte sich der Lauf Sri Lankas auf einen neuen Weg.

Durch den Einfluss des Buddhismus begannen sich die Wege der beiden Völker langsam zu trennen.

Mit der Zeit verfiel der Buddhismus auf dem indischen Subkontinent, und einige Mönche in Sri Lanka befürchteten fälschlicherweise, dass dasselbe Schicksal auch ihre Insel treffen würde.

Um den Glauben zu bewahren, säten sie in den Herzen der Singhalesen die gefährliche Vorstellung, der einzige Weg zur Rettung des Buddhismus bestehe darin, sich den im Nordosten lebenden Tamilen zu widersetzen.

Diese irrige Überzeugung, die Tamilen seien eine Bedrohung für den Buddhismus, öffnete eine tiefe Spalte in der Inselgesellschaft – und führte zu Verwirrung und Zwietracht in Religion, Sprache und Tradition.

So begann jener unsichtbare Brand, der Jahrhunderte später erneut im Herzen der Insel lodern sollte.

Die fremden Invasionen Sri Lankas begannen schon vor 205 v. Chr. und setzten sich bis 1409 n. Chr. fort – insgesamt elfmal betraten fremde Mächte das Land und hinterließen unauslöschliche Spuren im Blut und Gedächtnis der Insel.

Später legte sich der dunkle Schatten des Kolonialismus über das Land.

1505 kamen die Portugiesen, ihnen folgten die Niederländer und schließlich die Briten.

Unter dem Vorwand von Handel, Bildung und Religion veränderten sie schrittweise die Identität Sri Lankas.

Ihr schärfstes Werkzeug war die Politik des „Teile und herrsche“.

Indem sie Singhalesen und Tamilen gegeneinanderstellten, pflanzten sie den tiefsten Keil in das Herz der Insel.

Als Sri Lanka 1948 seine Unabhängigkeit erlangte, war die koloniale Spaltung noch immer lebendig.

Anstatt diese Wunde zu heilen, machten die neuen Regierungen sie zu einem politischen Instrument.

Die Parole „Ein Land – eine Sprache“ wurde für die Tamilen zum Symbol der Ausgrenzung.

Schritt für Schritt wurden sie aus Bildung, Beschäftigung und Verwaltung verdrängt.

Im unerträglichen Leid, das daraus entstand, begannen die Tamilen zunächst einen gewaltlosen Widerstand gegen die Ungerechtigkeit. Doch durch Verschwörungen, Unterdrückung und Massaker wurde diese friedliche Bewegung gebrochen.

Die ethnischen Säuberungen häuften sich – und schließlich blieb nur eine Antwort: die Waffen.

In den frühen 1970er-Jahren erhob sich aus den dichten Wäldern Nord-Sri Lankas eine neue Kraft – die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE), auf Tamilisch தமிழீழ விடுதலைப் புலிகள். Angeführt wurde die Bewegung von Velupillai Prabhakaran (Karikalan).

Dies war kein gewöhnlicher bewaffneter Aufstand – es war der existenzielle Kampf eines Volkes um seine Identität, sein Land und seine Sprache.

Tausende junger Menschen opferten ihre Jugend für die Idee der Freiheit.

Anfangs als kleine Guerillagruppe entstanden, entwickelte sich die Organisation unter Prabhakarans Führung zu einer strukturierten militärischen Macht.

Mit einer eigenen Armee (Land-, See- und Luftstreitkräfte), einer politischen Abteilung, einem Justizsystem, einer Finanz-, Polizei- und Nachrichtendienststruktur sowie über hundert Untereinheiten funktionierte diese Bewegung schließlich wie ein autonomer Staat.

Die Disziplin und der strenge Ehrenkodex der Befreiungstiger (LTTE) erstaunten die ganze Welt.

Jeder Kämpfer trug eine Zyankalikapsel um den Hals – gefangen zu werden galt als Schande, der Tod als Pflicht.

Frauen kämpften Seite an Seite mit den Männern an der Front.

Die sogenannte „Black Tigers“-Einheit war das Symbol für jene, die bereit waren, ihr Leben zu opfern, um das Herz des Feindes zu treffen.

Auch Indien unterstützte die Bewegung eine Zeit lang – aus geopolitischen Gründen – mit Ausbildung und Waffen.

Doch die Geschichte nahm eine tragische Wendung: Das gleiche Land wandte sich später gegen die Tiger. Im Jahr 1987 entsandte Indien im Rahmen des sogenannten Indo-Sri-Lanka-Abkommens die Indian Peace Keeping Force (IPKF) auf die Insel.

Offiziell sollten sie die Kämpfe zwischen Tamilen und Singhalesen beenden und Frieden schaffen.

Doch im Namen des Friedens verübten sie Gewalt an genau jenen Menschen, die sie eigentlich schützen sollten.

Krankenhäuser, Schulen und Wohngebiete wurden bombardiert – ganze Dörfer in Schutt und Asche gelegt.

Die Träume der Tamilen zerbrachen in Blut und Rauch.

Nach Berichten internationaler Menschenrechtsorganisationen kamen Tausende Zivilisten ums Leben; unzählige Frauen wurden Opfer grausamer Übergriffe.

Als die IPKF im Jahr 1990 Sri Lanka wieder verließ, waren die tamilischen Gemeinschaften im Norden und Osten der Insel sowohl seelisch als auch körperlich tief verwundet.

Diese Zeit wurde zu einem der dunkelsten Kapitel in der Geschichte des sri-lankischen Bürgerkriegs.

Im Norden und Osten Sri Lankas – in dem Gebiet, das als Tamil Eelam bezeichnet wurde – standen rund 76 Prozent des Territoriums unter der Kontrolle der Befreiungstiger.

Nach dem Jahr 2000 wurde der Distrikt Kilinochchi zur administrativen Hauptstadt von Tamil Eelam.

In den von der LTTE kontrollierten Gebieten funktionierte ein komplexes Verwaltungswesen:

die Bank von Tamil Eelam, das Justizsystem von Tamil Eelam, das Bildungsinstitut von Tamil Eelam und sogar der Rundfunk Tamil Eelam.

Über hundert Institutionen bildeten gemeinsam ein nahezu vollständiges Staatsgefüge – eine Nation im Schatten, aber mit klaren Strukturen.

Obwohl viele Länder der Welt die LTTE als terroristische Organisation einstuften, trug die Bewegung in ihrem Innersten einen Traum – den Traum von einem eigenen Vaterland für das tamilische Volk.

Doch dieser Traum endete 2009 in Blut und Feuer.

Die Geschichten der Tiger wurden größtenteils verschüttet – flüsternd erzählt hinter den Mauern verlassener Lager,

verloren in der Stille derer, die überlebten.

Trotzdem hinterließ diese Zeit einen unauslöschlichen Abdruck in der Geschichte Sri Lankas – ein Kapitel, in dem sich die Sehnsucht eines Volkes, die Kraft einer Bewegung und die tiefe Spaltung eines Landes untrennbar miteinander vermischten.

Wegen der Disziplin und der strengen Geheimhaltung innerhalb der Befreiungstiger war es mir zu Lebzeiten unmöglich, meine Geschichte zu erzählen.

Doch nach mehr als dreiundzwanzig Jahren – mit all ihren Siegen und Niederlagen, Opfern und Verrätereien, Freuden und Schmerzen – spürte ich tief in mir, dass diese Erfahrungen nicht im Schweigen verloren gehen dürfen.

Aus diesem Gefühl heraus entstanden diese Zeilen.

Meine Familie war tief in den Kampf verwoben.

Mein Vater, der aus Überzeugung niemals für den Staat arbeiten wollte, widmete sich der Bildung – er säte Wissen in die Herzen der Schüler und erntete damit großen Erfolg.

Meine Mutter wurde von den Kämpfern nur „Amma“ genannt; unser Haus war für alle „das Haus der Amma“.

Mit dem Märtyrer Thileepan (Leutnant Oberst Thileepan) nahm sie an einem Hungerstreik teil, der bis in den Tod führte – ein Kapitel, das heute Teil der Geschichte ist.

Doch den wahren Kern dieser Geschichte kann man nur mit den Augen eines Kämpfers erkennen.

Meine Schwester und mein Bruder – sie sind die lebenden Zeugen der beiden größten Schmerzen, die mein Leben geprägt haben.

Ende der 1980er Jahre wurde das Leben meiner Schwester von der indischen Armee ausgelöscht – eine grausame Folge des Verrats, den Maththaya, damals stellvertretender Anführer der Befreiungstiger von Tamil Eelam, begangen hatte, als er sich mit der indischen Regierung verbündete. Ihr Tod war nicht nur ein persönlicher Verlust; er war das leise Echo eines größeren Verrats, der unzählige Träume zerschmetterte.

Das Schicksal meines Bruders war nicht weniger tragisch. Er wurde von Mitgliedern der ENDLF verraten und ausgeliefert – einer Gruppe, die sich mit den indischen Streitkräften zusammengeschlossen hatte, um den Traum des tamilischen Volkes von Tamil Eelam zu vernichten. Gefangen genommen und gefoltert, trug er die Narben dieses Verrats auf seinem Körper und in seiner Seele – sein Leiden wurde zu einem stillen Zeugnis für die Grausamkeit jener Zeit.

Als Karuna Amman – einst einer der ranghöchsten Kommandeure der Tigers – den strengen Moralkodex der Bewegung brach, die Kassen plünderte und sich schließlich der srilankischen Regierung anschloss, blieb mir selbst das Leben nur durch das fragile Erbarmen des Schicksals erhalten. Jeder dieser Verrate schnitt tief, erschütterte mein Innerstes. Und doch – anstatt mich zu brechen – machten mich diese Wunden nur stärker. Sie banden mich fester an den Weg, an die Sache, an den Traum, den weder Kugeln noch Verrat auslöschen konnten.

Warum bin ich der Bewegung beigetreten?

Wie wurde ich ein Kämpfer? Welche Ausbildung, welche Aufgaben formten mich?

All das wird dieses Dokument in fünf Etappen offenlegen.

Ich habe in vielen Gesichtern der Bewegung gelebt – in den Spezialeinheiten, in der Aufklärung, in geheimen Operationen, in Bildung, Politik und Finanzen.

Besonders die Geschichten der verdeckten Nachrichtendienstkämpfer sind tief und tragisch:

Sie sind die namenlosen Helden, deren Opfer niemals ans Licht kommen.

Es ist meine Pflicht, ihre Geschichten in diesem Dokument zu erzählen.

Dies ist keine gewöhnliche Autobiographie.

Es ist ein inneres Zeugnis des Befreiungskampfes von Tamil Eelam – ein Dokument, das Wahrheit spricht über Sieg und Niederlage, über Helden und Verräter, über Freude und Schweigen – ein ehrliches Zeugnis eines Volkes, das um seine Freiheit kämpfte.

Manchmal könnte es euch so vorkommen, als würden diese Worte keine Hoffnung auf die Zukunft säen, sondern nur den Schatten der Gewalt heraufbeschwören. Doch es gibt etwas, das ihr vielleicht nicht wisst – dies war eine Bewegung, die auf den Opfern von Tausenden junger Männer und Frauen gegründet wurde, die ihr ganzes Leben der Befreiung ihres Volkes gewidmet hatten. Sie lebten in strenger Disziplin – sie verboten das Rauchen, den Alkoholkonsum und jede Form moralischer Verfehlung – und durch ihre Einheit und Selbstbeherrschung brachten sie die Welt zum Staunen.

Es war nicht nur eine Bewegung; es war eine Lebensweise, ein Traum, eine Festung der Prinzipien. Und in den Augen derer, die sie erschufen, leuchtete ein unerschütterlicher Glaube – eine Überzeugung, die selbst im Angesicht des Todes nicht wankte.

Wie also konnte eine solche Bewegung – geboren aus Disziplin, Stärke und Opferbereitschaft – von der Landkarte der Welt verschwinden?

An dem Tag, an dem ihr die Antwort auf diese Frage erfahrt, werdet auch ihr von der Last der Geschichte überwältigt sein. Dann werdet ihr erkennen – selbst Zerstörung kann manchmal mit erstaunlicher Ordnung und gewaltiger Kraft geschehen.

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